Psycholinguistik. Integrative Teildisziplin der Linguistik im weiteren Sinne, interdisziplinären Forschungsansatz, der sich seit 1953 (Forschungsseminar in Bloomington mit Carroll, Osgood, Sebeock u.a.) entwickelt. Erforscht werden sollen:

-         die Prozesse bei Kod. und Dekod.,

-         die psychol. Voraussetzungen von Sprache, Spracherwerb und Kommunik.,

-         der Zusammenhang von Sprache/Sprechen und Denken

-         der Zusammenhang von sprachl. und kognitiven Leistungen

-         Probleme des Spracherwerbs und der Spracherziehung

-         die psychischen Prozesse bei Sprachproduktion und –rezeption

-         Spracherwerb und Sprachverlust

-         neben den verbalen auch die nicht-verbalen/paralinguistischen Komponenten des Sprachverhaltens

[omissis; 5 weitere Punkte]

LEWANDOWSKI, Theodor: Linguistisches Wörterbuch. Heidelberg, UTB 1994 (6. Aufl.); 3 Bde.

 

Die Psycholinguistik als Wissenschaft hat die menschliche Sprachfähigkeit als Gegenstand.

[Exkurs: Damit sich ein Wissen als Wissenschaft konstituieren kann, sind nach wissenschaftstheoretischen Kriterien zwei Bestandteile notwendig: ein Gegenstand und seine Definition – z.B. "die Sprache ist ein System von Zeichen"... – und eine Methode – z.B. strukturalistische, hermeneutische, deskriptive usw. Zu Fragen der WS vgl. H. Seiffert, Einführung in die Wissenschaftstheorie. München, Beck 2003 (13. Aufl.); 4 Bde.]

Innerhalb dieser Disziplin haben sich drei große 'Spezialisierungen' etabliert

[G.M.]

 

Abgrenzung Psycholinguistik - Neurolinguistik (Anfänge der NL im 19. Jahrhundert: Entdeckung von zwei Gehirnregionen, und zwar Broca- bzw. Wernicke-Areal, deren Schädigung zu Sprachstörungen führt):

"Die Neurolinguistik sucht nach neuronalen Korrelaten, also nach den Gehirnaktivitäten, die mit einzelnen sprachlichen Prozessen einhergehen. Zudem untersucht sie, unter anderem mit der Dissoziationsmethode, die Auswirkungen von einzelnen Gehirnschädigungen auf die Sprachverarbeitung. Die Psycholinguistik bezieht diese Daten zwar mit ein, ihr Ziel ist jedoch nicht die Lokalisierung von Gehirnregionen. Psycholinguisten schließen etwa aus verschiedenen Daten über Sprachstörungen, Reaktionszeiten, Sprachentwicklung und Sprachproduktionsfehlern, daß es verschiedene Systeme zur Worterkennung und zur Syntaxanalyse gibt. Eine solche abstrakt-psychologische Behauptung setzt jedoch nicht unbedingt voraus, daß sich auch zwei verschiedene Gehirnregionen finden lassen, die jeweils für Worterkennung oder Syntaxanalyse zuständig sind." [aus "Die Psycholinguistik und ihre Nachbardisziplinen" in: http://de.wikipedia.org/wiki/Psycholinguistik]

Ein Bild über 'Leistungen und Grenzen' der Disziplin liefert z.B.

Helen Leuninger et al., Psycholinguistik - Ein Forschungsbericht. Frankfurt/M., Athenäum Fischer 1972

bzw. für die jüngste Zeit

Gert Rickheit / Theo Herrmann / Werner Deutsch (Hrsg.): Psycholinguistik: Ein internationales Handbuch Berlin, de Gruyter 2003; 947 S. [: 398 €]

 

Eine rasche Orientierung zur Geschichte der PL finden wir in

Bross, Fabian: "An der Rede erkennt man den Menschen" – eine kurze Geschichte der Psycho- und Neurolinguistik, in: Aventinus. Die historische Internetzeitschrift von Studierenden für Studierende. Ausgabe 06 (2008)

http://www.aventinus.geschichte.uni-muenchen.de/06_art/psycholinguistik/